Steinbank-Eiche im Fürst-Pückler-Park Muskau (Oberlausitz, Sachsen)
| Baumart | Stiel-Eiche (Quercus robur) |
| Standort: | im Fürst Pückler-Park Bad Muskau: im Ort ist der Park von überall ausgeschildert, Parkplätze und etliche Zugänge gibt es von der Clara-Zetkin-Straße und der Parkstraße vom polnischen Grenzübergang in nordwestlicher Richtung. Die Eiche steht am sog. Petzoldweg, etwa 100 m von der Neiße (Grenze zu Polen) entfernt auf freier Wiese. Ostsachsen: Oberlausitz; Landkreis Görlitz, Sachsen |
| Alter: | ca. 450 Jahre (350 – 550 Jahre, aus Standort, Baumgestalt, historischen Bildern und Parkgeschichte hergeleitet) |
| Stammumfang: | 7,10 m (an Taille in 1,1 m Stammhöhe, gemessen April 2026) |
| Höhe: | ca. 15 m |
| GPS-Daten: | N 51.551211, O 14.724901 |
| NEB ab: | April 2026 (die Ausrufung ist am Fr 29. Mai 2026 um 15:00 Uhr geplant) |
Die ausgewählte Eiche steht am Petzoldweg im Muskauer Park, nicht weit von der Neiße und ist einfach zu finden, wenn man im deutschen Parkteil auf dem nah am Fluss verlaufenden Weg von der Doppelbrücke nach Nordwesten läuft: dann ist es die vierte alte Eiche am Weg, durch die Steinbank nicht zu verfehlen. Dies ist nun neuerdings der östlichste Nationalerbe-Baum Deutschlands! Die große Steinbank an dieser Eiche hat Fürst Pückler persönlich dort vor etwa 190 Jahren am Stammfuß platziert, inzwischen wächst sie in die Eiche ein – dies wird weiter fortschreiten und bleibt spannend mitzuverfolgen.
Solche alten Eichen sind auch immer ein bedeutender Lebensraum für eine große Anzahl seltener, bedrohter Tierarten (im Stamminneren und in ihrer Krone): vor allem Insekten, darunter ganz besonders viele Käferarten. Daher sind ihre Baumpflege und ggf. -Sicherungsmaßnahmen auch immer eine Herausforderung, um dabei möglichst viele dieser Habitatstrukturen zu erhalten.
Was mag Fürst Pückler bewogen haben, die Steinbank genau an dieser Eiche zu platzieren? Dazu ist nichts bekannt, aber man darf annehmen, dass es ihm diese Eiche besonders angetan hatte und sie ihm besonders wichtig war. Vielleicht war es sogar einer seiner Lieblingsplätze damals: mit Blick über die Wiesen der Auenlandschaft auf all die besonderen alten Bäume. Das Alter der Eiche ist schwer zu schätzen: hat sie Grundwasser-Anschluss? Das ist dort in etwa 10 m Tiefe zwar erreichbar, die Neiße wird allerdings immer mal in längeren Trockenperioden zu einem beschaulichen Flüsschen mit wenig Wasser. Und sie kann auch zu extremen Hochwassersituationen führen wie zuletzt im August 2010.
Es gibt ein eindrucksvolles naturgetreues Aquarell der Steinbank-Eiche von etwa 1850: damals sah sie auch schon älter aus mit großer Krone, aber wohl kaum über 250 Jahre. Und in den letzten Jahrzehnten wird sie eher langsamer gewachsen sein, da ihre Krone nicht mehr groß ist.
Zu alten Eichen Im Muskauer Park und Umgebung ist gerade ein spannendes und sehr schönes Buch erschienen: „Odin, Thor, Hermann: die Generation 500+ (ein Spaziergang zu den Muskauer Uralteichen)“ von der Stiftung ‚Fürst-Pückler-Park Bad Muskau‘ (Cottbus 2026, Umfang 132 Seiten mit 175 Abbildungen: alte und neue Fotos, Aquarelle und Karten).
Auf der Website www.muskauer-park.de/welterbe erfährt man, dass der Muskauer Park seit 2004 auf der UNESCO-Welterbeliste steht „…und maßgeblich Hermann Fürst von Pückler-Muskau (1785–1871) zu verdanken ist. Er schuf beiderseits der Neiße ein Meisterwerk, das als der klassische Landschaftsgarten bezeichnet wird. Der grüne Fürst gilt als Begründer der modernen Landschaftsgestaltung mit Einflüssen, die über Europa hinaus bis nach Amerika reichten. Pücklersche Prinzipien sind nach wie vor aktuell: Mit seinen 1834 erschienenen „Andeutungen über Landschaftsgärtnerei“ verfasste er ein bis heute viel zitiertes Lehrbuch. Neben allgemeinen Hinweisen zur Anlage eines Landschaftsgartens beschreibt Pückler darin seine Vision des Muskauer Parks, der sich heute auf dem Territorium zweier Staaten erstreckt. Durch einen gemeinsamen deutsch-polnischen Antrag gelangte der Park auf die Welterbe-Liste. Nicht zuletzt wurde damit das grenzüberschreitende Management bei der Pflege des kulturellen Erbes von Pückler gewürdigt.“ Viele weitere interessante Informationen schließen sich auf dieser Website an.
Der Geschäftsführer der Stiftung ‚Fürst-Pückler-Park Bad Muskau‘ und sein Team sind begeistert über die nun erfolgte höchstrangige Auszeichnung ihrer Steinbank-Eiche als Nationalerbe-Baum und fassen dies (zu Recht) als Anerkennung ihres Engagements für Erhalt, Schutz und Entwicklung der riesigen Parkanlage auf. Es ist eine große Verantwortung, dieses Erbe zu bewahren, und sehr eindrucksvoll, wie erfolgreich ihnen das gelingt. Und nun kommt also die Steinbank-Eiche auch noch als Nationalerbe mit hinzu, dabei unterstützen wir die Verantwortlichen auch mit fachlichem Beirat.
Eindrucksvoll: Fürst Pückler kaufte damals privat etliche alte Eichen in der Umgebung mit dem zugehörigen Grundstück, um sie zu schützen! Daher gibt es in der Region (im Park und in den nahen Siedlungen) eine beachtliche Anzahl noch lebender alter Eichen, die sehr beeindrucken. Sie alle wurden in die Auswahl für unsere Nationalerbe-Baumsuche einbezogen, aber schnell war sehr deutlich, dass die Steinbank-Eiche unser Favorit für diese Region in Sachsen ist.
Die Lage der Parkanlage ist sehr einmalig, das wird auch Fürst Pückler schon damals so empfunden haben und hat sich deshalb gerade dort so in die Landschaftsgestaltung hineinsteigert (sein Wirken in Bad Muskau erfolgte etwa 1815 – 1845). Dies wird sogar von manchen als „Parkomanie“ bezeichnet – den Begriff kannte ich bisher noch nicht. Das Besondere der Landschaft für den Park ist die Neiße mit ihren hügeligen Wiesenlandschaften, dies hat Pückler aufgegriffen sowie genial verstärkt und inszeniert mit den vielen alten einzeln stehenden Bäumen. Daher ist der Park auch dendrologisch sehr bedeutsam und europaweit bekannt.
Heutzutage sind solche Parkanlagen eine Herausforderung für die Verantwortlichen durch den Klimawandel: infolge von immer mehr sowie längeren und extremeren Hitze- und Trockenperioden sind in den letzten 10 Jahren besonders viele Altbäume abgestorben, so auch in Bad Muskau. Parks im Klimawandel zu managen, ist ein kompliziertes Thema, denn man möchte einerseits das Kunst- und Lebenswerk – hier von Pückler – erhalten, muss aber den Baumartenbestand an die Veränderungen anpassen. Es gibt inzwischen einige Parkanlagen, wo eine eindrucksvolle Mischung aus den schon bisher vorhandenen Baumarten mit neuen einheimischen und nichtheimischen gelungen ist, die testweise nun im Park eingeführt werden. Das bleibt spannend und man muss bei Bäumen lange Geduld haben, bis eine grundlegende Beurteilung der neuen Arten möglich ist…
Text und Fotos: Andreas Roloff, TU Dresden