Friederiken-Eiche im Hasbruch bei Bremen (Kreis Oldenburg, Niedersachsen)

Friederiken-Eiche im Hasbruch: die lange Lebensgeschichte der Uralteiche von allen Seiten am Stamm sichtbar
BaumartStiel-Eiche (Quercus robur)
Standort:im Naturschutzgebiet Hasbruch bei Delmenhorst, Forstamt Neuenburg der Niedersächsischen Landesforsten; nahe der Autobahn A 28 zwischen Bremen und Oldenburg (Abfahrt 18: Hude), Parkplatz an der Revierförsterei, von dort ausgeschildert etwa 15 min Fußweg zur Friederikeneiche durch das Naturschutzgebiet; Landkreis Oldenburg, Niedersachsen
Alter:ca. 800 Jahre (700 – 900 J.), aus Standort, Baumgestalt, historischer Bestandesgeschichte hergeleitet)
Stammumfang:7,95 m (Taille in 0,6 m Stammhöhe, gemessen März 2026)
Höhe:ca. 25 m
GPS-Daten: N 53.070750, O 8.476500
NEB ab:März 2026 (die Ausrufung ist am Do 27. August 2026 um 15:30 Uhr geplant)

Die besonders alte und europaweit berühmte Friederiken-Eiche wurde nun von uns als Nationalerbe-Baum ausgewählt. Sie wächst im Naturschutzgebiet (NSG) Hasbruch, welches mit seinem auf Teilflächen naturwaldartigen Zustand für die Kenntnisse der dortigen Waldgeschichte und natürlichen Waldentwicklung große Bedeutung hat und interessante Einblicke zur Lebenserwartung alter Eichen liefert.

Das unterbliebene Bestandesmanagement hat nämlich dazu geführt, dass dort etliche von den vielen uralten Eichen inzwischen abgestorben sind, da sie im hohen Alter immer kleiner werden („Kronenrückzug“), in der Folge von Konkurrenzbäumen überwachsen und durch deren Beschattung schließlich zum Absterben gebracht werden können.

Das NSG Hasbruch ist bekannt dafür, dass dort seit etwa 150 Jahren auf Teilflächen nicht mehr in die Bestandesentwicklung eingegriffen wurde, um die natürlichen Abläufe zu erforschen und besser sichtbar zu machen. Nur bei der Friederiken-Eiche hat man eine Ausnahme gemacht und Konkurrenzbäume zurückgedrängt, so dass sie überlebt hat und von uns als Nationalerbe ausgewählt wurde. Die Niedersächsischen Landesforsten sind sehr stolz, dass sie damit nun auch einen Nationalerbe-Baum in ihren Wäldern erhalten und wir uns mit darum kümmern, dass er weiterhin eine freie Krone entwickeln und möglichst lange in Würde altern kann.

Die zu findenden Altersschätzungen zur Friederiken-Eiche reichen von 500 bis 1.500 Jahre, darüber staunt man. Wir haben uns daher sehr intensiv mit dem Alter dieser Eiche befasst, denn das war noch mit entscheidend, ob sie Nationalerbe-Baum werden kann bzw. soll. Wir geben ja auf unserer Website (nicht auf der Baumtafel) auch das Alter an, immer mit einer Spanne der Schätzungen basierend auf belastbaren Informationen. Der erfahrene Alteichenkenner Jeroen Pater hat die Friederiken-Eiche in seinem Buch „Riesige Eichen“ ausführlich mit historischem Hintergrund und Bildmaterial beschrieben, und sie wird von ihm mit einem Alter von 500-800 Jahren eingeschätzt, maximal 700-800. 

Wir selbst haben durch die ständigen Untersuchungen an alten Bäumen von den vielen gemeldeten Nationalerbebaum-Kandidaten inzwischen umfangreiche Erfahrungen mit der Alterseinschätzung, darunter auch an sehr vielen alten Eichen und landen so bei 700-900 Jahren für die Friederikeneiche. Dabei wird der nasse Standort berücksichtigt, der dort zu einem geringeren Zuwachs und somit zu höherem Alter führt.

Die vormals vielen uralten knorrigen Eichen im Hasbruch stammten ursprünglich aus einem Hutewald (seit dem 13. bis ins 19. Jahrhundert), sind also zunächst mit relativ freier Krone aufgewachsen. Das sieht man der Friederikeneiche auch heute noch eindeutig an, da sie einen im unteren Abschnitt z.T. schiefen und noch mit dicken Ästen versehenen Stamm aufweist. So könnte eine Eiche nicht aussehen, die im dichten Bestand aufgewachsen ist, da dann die unteren Äste durch Lichtmangel schnell abgestorben wären und der Stamm infolge der Konkurrenz von Nachbarbäumen gerade nach oben wächst. Das bedeutet: sie stand ihr Leben lang halbwegs frei und hatte daher eine gute Belichtung der Krone, mit der Folge eines guten Zuwachses in den ersten Jahrhunderten ihres Lebens. Auch in den Unterlagen zum Hasbruch steht, dass dies im 13. Jahrhundert ein Weide- und Hutewald des Klosters war.

Weiter gibt es in einem Buch von J.G. Kohl (1864: „Die alten Eichen im Oldenburgischen – Nordwestdeutsche Skizzen“, S. 7-26) auf Seite 23 in der 7. Zeile den hochinteressanten und glaubhaften Satz, dass bei der Untersuchung einer gefällten Rieseneiche im Hasbruch Jahrringe von der Stärke eines kleinen Fingers (= 10-12 mm) und welche von wenigen (= 2-4) Millimetern Stärke gegeben habe.

Das hört sich realistisch an und wenn man auf diese Weise 500 Jahrringe einschätzt mit 

  • 100 Jahrringen von 10 mm Breite   = 100 cm 
  • 200 Jahrringen von 7 mm Breite     = 140 cm
  • 200 Jahrringen von 3 mm Breite     =   60 cm

macht das zusammen 300 cm  x 2 = Stammdurchmesser 6,00 m aus. 

Dann wären es allerdings bei 6 m Stammdurchmesser fast 20 m Stammumfang, was bei Eichen nicht möglich ist. Die Friederiken-Eiche hat aktuell etwa 8 m Stammumfang (was ja auch sehr beachtlich ist).

Will man auf das verbreitet genannte Alter der Friederikeneiche von 1.250 Jahren kommen bei 8 m Stammumfang = ca. 2,50 m Stammdurchmesser, dann hätte eine Stammhälfte 1,25 m Dicke. Darin müsste über das gesamte(!) Baumleben von den mutmaßlichen 1.250 Jahren ein mittlerer Zuwachs von nur 1 mm Jahrringbreite erfolgt sein. Das ist aus unserer Sicht ausgeschlossen: keine Eiche in Deutschland hatte über so einen langen Zeitraum einen so geringen Zuwachs, auch nicht die ältesten, sondern meist mindestens 2-5 mm. So ist z.B. die berühmte Ivenacker Methusalem-Eiche mit einem Stammumfang von 11,55 m glaubhaft 850 Jahre alt.

Daher gehen wir wohlwollend von etwa 800 Jahren Lebensalter (700 – 900 Jahre) der Friederikeneiche aus, was ja auch oberste Liga in Deutschland ist.

Als aktueller Handlungsbedarf wird derzeit das Kleinhalten von Konkurrenzbewuchs im unteren Kronenbereich erkannt und soll zeitnah und dann regelmäßig vorgenommen werden.

Der oft als „Urwald“ bezeichnete Hasbruch ist auch weit über die Region hinaus bekannt und berühmt für seine vielen weiteren alten und z.T. skurrilen Baumgestalten, u.a. beeindruckende Hainbuchen und Rot-Buchen. Zudem sind die Prozessabläufe dort sehr gut untersucht. Ich kenne das NSG Hasbruch seit 45 Jahren und war schon 13 mal dort, u.a. um Fotos für Vorlesungen und Vorträge zu machen. Und auch als meine Mutter bis vor wenigen Jahren in ihrem hohen Lebensalter im Seniorenheim in Bremen lebte, sind wir öfters dorthin gefahren, da sie es sich ausdrücklich gewünscht hat.

Text und Fotos: Andreas Roloff, TU Dresden

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