„1000-jährige“ Stiel-Eiche in Nagel bei Küps

Baumart Stiel-Eiche (Quercus robur)
Standort: Ortseingang Nagel an der Kümmelbergstraße (Pfad nach links, hinter Haus Nr. 21, unterhalb des Schlosses vor Golfplatz)
Alter: ca. 600
Stammumfang: etwa 9,70 m
Höhe: 26-28 m, Kronenbreite 25 m
GPS-Daten: N 50.190234, O 11.242383
NEB ab: geplant an einem Samstag im Mai, sobald es die Corona-Krise erlaubt

Diese starke Eiche wird – wie viele andere alte Bäume in Deutschland – in Naturwanderführern und bei weiteren Erwähnungen als “Tausendjährige Eiche” bezeichnet, sie ist in der Region Oberfranken mit diesem Namen bekannt. Aufgrund ihres Standortes und ihrer Lebensgeschichte ist eher von 500-600 Jahren Lebensalter auszugehen, was man nur absichern könnte, wenn man sie anbohrt – aber das wäre nicht angemessen, nur um das tatsächliche Alter zu erfahren. So bleibt dies eben ein Geheimnis – wie heißt es doch derzeit in Baum-Bestsellerbüchern so schön: das geheime Leben oder die geheime Sprache der Bäume… Dann lassen wir es doch ein spannendes Rätsel bleiben.

Sie steht auf Privatgrund, ist jedoch öffentlich zugänglich. Besonders eindrucksvoll an diesem Baum ist der etwa 12 m lange vollholzige, fast astfreie Stamm, was nur zu erklären ist durch langanhaltende Konkurrenz benachbarter Bäume im früheren Baumleben. Dadurch musste sich der Baum mit vermutlich eingeklemmter Krone (wie noch heute) nach oben “recken”, um ans Licht zu gelangen, welches Eichen ab ihrer Jugend unbedingt benötigen um zu überleben. Diese Situation wird dann auch zu einem langsameren Dickenwachstum geführt haben als sonst bei freistehenden Eichen. Nahe ihrem Wuchsort befindet sich eine Quelle, die seitlich etwa 10 m vom Stamm entfernt aus dem Hang austritt und nach Aussagen vor Ort auch in sehr trockenen Sommern wie 2018/19 nicht versiegt. Dorthin wird die Eiche seit langer Zeit ihre Wurzeln entwickelt haben, so dass ihr Trockenjahre (und der Klimawandel) voraussichtlich und hoffentlich nichts anhaben werden – das sind gute Aussichten für die Zukunft dieses bemerkenswerten besonderen Baumes.

Oberhalb des unverzweigten Stammes setzt relativ abrupt die Krone an mit mehreren starken und steil stehenden Ästen, die sich weit oben weiter verzweigen und von denen einzelne wiederum durch zuviel Beschattung abgestorben oder am Absterben sind. Eine moderate Freistellung der Eiche soll ihr zu besserer Zuckerproduktion durch Photosynthese verhelfen, was sie unempfindlicher gegenüber Stress machen wird.

Die Umfangmessung an diesem Baum gestaltet sich als extreme Herausforderung, da der Baum so dick und der Hang hier sehr steil ist: wenn man hangaufwärts am Stammfuß anfängt zu messen und um den Stamm herumzugehen, steht man auf der hangabwärtigen Seite auf den z.T. 5-7 m langen Wurzelanläufen fast 3 m unterhalb der Messebene und kann daher nicht mehr in derselben Höhe weitermessen! Infolge seines Stammdurchmessers von über 3 m ist somit keine Messung in 1,3 m Stammhöhe möglich bzw. sinnvoll, und bei jeder Messung kommt ein anderes Ergebnis heraus. Zudem rutscht man unterhalb auf den moosbewachsenen Wurzelanläufen den Hang hinab und beschädigt womöglich sogar den Baum, man sollte es also lassen oder es höchstens barfuß oder in Strümpfen tun. Der Stammumfang gemessen hangoberseits über den Wurzelanläufen beginnend ist nach 3 Messungen 9,70 m. Die Baumhöhe beträgt 26-28 m, auch dabei wieder je nachdem wo man am Stammfuß zu messen beginnt. Diese Daten wären also das nächste Geheimnis der Eiche, sie behält somit viele Informationen für sich. Es handelt sich um eine der 10 stärksten und massereichsten Eichen Deutschlands.

Die “Tausendjährige Eiche” ist seit 1936 als Naturdenkmal der Marktgemeinde Küps im Landkreis Kronach (Oberfranken) ausgewiesen. Sie steht östlich unterhalb vom Außenzaun des Jagdschlosses Nagel (zum Ortsteil Oberlangenstadt gehörend) am Steilhang, welches Anfang des 15. Jahrhunderts erbaut wurde. Ursprünglich sollen hier vier Eichen gestanden haben, die nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet waren und einen gleichen Abstand voneinander hatten. In der Nähe führte eine alte Handels- und Heerstraße vorbei, die Berlin mit München verband und in diesem Abschnitt der heutigen Bundesstraße 173 entsprach.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Schloss erfolglos belagert und beschossen, von damals sollen sich noch Geschosse im Stamm der Eiche befinden. Ihre Borke hat sehr eindrucksvolle tiefe Spalten und Rippen, die sich bis zur Krone hochziehen. Sie hat außerdem wie zuvor beschrieben ausgeprägte Wurzelanläufe, die am Steilhang unterhalb weit vom Baum wegführen.

Text von Andreas Roloff, Tharandt (Auszug aus Kalender “Starke Bäume 2021“, Verlag Dr. Frank Gera, erscheint im Juli 2020):

Fotos