Dorflinde Harbach (Marktgemeinde Hilders, in der Rhön, Hessen)

Dorflinde Harbach: typische Dorflinde mit mächtiger Krone, die Ortschaft absolut prägend
BaumartSommer-Linde (Tilia platyphyllos)
Standort:Ortsteil Harbach der Marktgemeinde Hilders in der Rhön; im Dorf an der Hauptstraße zwischen den Höfen Harbach 4 und Harbach 5  (Straßennamen gibt es dort nicht) auf einer Böschungsnase mit 70 cm hoher Mauer; Landkreis Fulda, Bundesland: Hessen
Alter:ca. 500 Jahre (400-600 nach Ortshistorie, Standort und Baumgestalt)
Stammumfang:8,10 m (an Taille in 1,20 m Stammhöhe, gemessen Juli 2025)
Höhe:ca. 19 m
GPS-Daten: N 50.570842, O 9.923880
NEB ab:August 2025 (die Ausrufung findet am 25. April 2026 um 14 Uhr statt)

Das Dorf Harbach besteht aus etwa 10 Höfen und Häusern, die Größe ist also sehr überschaubar und es gibt daher keine Straßennamen, sondern als Adressen schlicht Harbach Nr. 1, 2, 3,… bis 10. Und der offizielle Name des Baumes „Dorflinde“ passt so wunderbar – genauso stellt man sich eine Dorflinde vor: an der Hauptstraße mitten im Ort, wo man sich trifft (oder zumindest früher getroffen hat). Dort kennt vermutlich jeder jeden und man wird sich oft zu aktuellen Themen austauschen. Daran besteht ja derzeit kein Mangel. Der Baum steht zudem markant erhöht auf einer Böschungsnase mit einer 70 cm hohen Mauer, der Stammfuß ist darum etwa 1,50 m erhöht über der Hauptstraße und einer Hofeinfahrt, und der Baum wirkt dadurch noch gewaltiger als er mit seinen über 8 m Stammumfang sowieso aussieht. Wahrlich ein würdiger Prachtbaum!

Gemeldet als Nationalerbe-Kandidat hat ihn eine 5-köpfige Familie aus Weinböhla bei Meißen, die im Rhöngebiet 2024 ihren Sommerurlaub Urlaub verbracht haben und sich dabei immer gerne alte Bäume ansehen. Dort waren es 4 Bäume und diese Linde fanden sie besonders eindrucksvoll. Es folgte eine sehr schöne längere Beschreibung des Baumes mit Vermessung und Bildern, so dass ich ihn mir gleich gut vorstellen konnte und er mit in die Auswahl von Rhön-Kandidaten kam. Diese habe ich mir dann im Sommer 2025 angesehen, und die Harbacher Dorflinde ist tatsächlich der Champion dieser Kandidatensuche dort geworden.

So nahm ich kurz danach Kontakt zur Marktgemeinde Hilders auf und es fand zeitnah ein Treffen mit dem Bürgermeister, der Tourismusbeauftragten und weiteren Beteiligten statt. Dabei wurde mir vom Bürgermeister gleich die unterschriebene Vereinbarung überreicht (die er im Vorhinein zur Durchsicht erhalten hatte), was ich natürlich besonders schön finde, wenn es so flott damit klappt. Es war dann noch der Landkreis als UNB (Untere Naturschutzbehörde) mit einzubeziehen, da die Linde seit 1939 Naturdenkmal ist.

Als ich beim Ortstermin von der Melder-Familie erzählte, hat der Bürgermeister diese gleich zur Ausrufung der Linde in die Gemeinde Hilders zu einem kostenlosen Wochenend-Aufenthalt eingeladen. Das hat natürlich zu großer Freude bei den Meldern geführt: sie haben die Reise in die Rhön am letzten April-Wochenende fest im Kalender stehen und freuen sich schon sehr darauf. Die Rhön ist touristisch ein deutschlandweit hochattraktives Reiseziel (Naturpark), besonders beliebt wegen sehr schöner Fern- und Nahwanderwege, etlicher Bergkuppen mit 800 bis über 900 m hohen Gipfeln (die Wasserkuppe als höchster mit 950 m, nicht weit von Hilders und gut zu sehen) und befindet sich im Dreiländereck von Hessen, Thüringen und Bayern. In unmittelbarer Nähe von Hilders verläuft ein sehr bekannter Panorama-Höhenwanderweg mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad, was ihn sehr spannend und attraktiv macht.

Der Baum ist eine Sommer-Linde mit sehr dickem Stamm. Seriöse Altersangaben zum Baum – wie fast immer alles Schätzungen (da die Pflanzung nicht dokumentiert ist und man keine Jahrringe zählen kann, denn der Baum ist komplett hohl: innen ist ein riesiger Hohlraum, in dem ein Bläsertrio gut Platz hätte) sind Angaben von 400 bis 600 Jahren, wir landen in der Mitte bei etwa 500 Jahren, da der Baum auf einer erhöhten Böschungsnase steht mit begrenztem Wurzelraum und wenig Wasser. Der Stamm ist wie genannt vollkommen hohl. Die große Krone breitet sich gleichmäßig um den mächtigen Stamm über die Straße und mehrere Grundstücke aus.

Die große Besonderheit neben ihrer Dimension ist die Verwachsung zweier dicker Äste auf der Hinterseite der Krone, die sich vor langer Zeit ständig berührt und bei Wind etwas aneinander gescheuert haben, um dann in der Folge miteinander zu verwachsen. Das sieht heute wie eine umgekehrte Astgabel aus, die sich nicht wie üblich nach oben teilt, sondern wo der Wasserstrom sich aus 2 Ästen vereinigt und gemeinsam weiter zu den Blättern fließt. Eine sehr interessante baumbiologische Erscheinung, die in dieser Dimension (über 10 cm Astdicke) sehenswert ist – sie kann in der Baumpflege auch als Kronensicherung künstlich herbeigeführt werden (wird dann als ‚Bridging‘ bezeichnet). Wenn man intensiv danach sucht, findet man in Kronen von sehr alten Linden öfters solche Zweigverwachsungen, aber meist nur dünnere Stadien.

Text und Bilder: Andreas Roloff, TU Dresden