Eiche im Schlosspark Putbus auf Rügen (Kreis Vorpommern-Rügen, MV)

Ausrufung Schlosspark-Eiche Putbus: und großer ausladender Krone
BaumartStiel-Eiche (Quercus robur)
Standort:im Schlosspark der Landstadt Putbus im Südosten der Ostsee-Insel Rügen: am Weg durch den Park von der unteren östlichen Ecke des Marktes (am Theater) hinunter zum Marstall. Das Eichenpaar steht nach etwa 100 m links am Weg, beidseitig einer Bank, davon die Eiche rechts der Bank mit geschlossenem Stamm. Es gibt von allen Parkseiten etliche Parkzugänge mit Abstellmöglichkeiten für Fahrzeuge. Landkreis Vorpommern-Rügen, Mecklenburg-Vorpommern
Alter:ca. 450 Jahre (400 – 500 Jahre, aus Standort, Baumgestalt, historischen Bildern und Parkgeschichte hergeleitet)
Stammumfang:7,05 m (in 1,3 m Stammhöhe, gemessen März 2026)
Höhe:ca. 20 m
GPS-Daten: N 54.351556, O 13.470323
NEB ab:März 2026 (die Ausrufung ist am Sa 1. August 2026 um 14:00 Uhr geplant)

Die ausgewählte Eiche steht am Parkweg von der südöstlichen Marktecke hinunter zum Marstall mit Schwanenteich, nach etwa 100 m links am Weg und ist der rechte Baum des dortigen Eichenpaares beidseitig der Bank. Man sollte sich etwas Zeit für die Bank zwischen den beiden Eichen nehmen, da dies ein starker Ort der Inspiration ist. Und anschließend auch den riesigen Park erkunden, um auf den vielen geschwungenen Wegen und einigen Park-Alleen die schöne Landschaft und herrlichen Ausblicke zu genießen.

Der Park im Stil eines englischen Landschaftsgartens passt sich wunderbar in das leicht hügelige Gelände ein und enthält zahlreiche dendrologische Besonderheiten, auch Bäume z.T. höheren Alters. Die beiden ältesten dürften die ausgewählte Eiche und ihre Schwester neben der Bank sein – sie sind sicherlich gleichzeitig gepflanzt worden, allerdings heute in einem sehr unterschiedlichen Zustand. Denn die andere wurde vor 100 Jahren ausgemauert und mit Zement verfüllt, was damals der Stand des Baumwissens war: das sollte man bei hohlen Bäumen machen, um sie vor Pilzen zu schützen und zu stabilisieren. Für beides hat sich dies dann später leider als falsche „Behandlung“ erwiesen, und daher wurde die Füllung später wieder entfernt, was nochmal Schaden gemacht hat. Deshalb ist die andere, genannt „Hohle Eiche“ fast vollkommen hohl und hat in ihrem Stamm große Öffnungen.

Mit ihrem geschätzten Alter von 450 Jahren müssen die beiden Eichen noch aus der Zeit vor der Parkgründung stammen – auf einer alten Parkkarte von 1834 sind sie schon als ältere Bäume eingezeichnet. Der Park wurde (erst) im 18. Jahrhundert im französischen Stil begründet, aber schon bald im 19. Jhdt. grundlegend wieder umgestaltet zu dem heutigen englischen Landschaftsgarten. Dies hat Jahrzehnte in Anspruch genommen und wurde damals zweideutig als „grüne Revolution“ bezeichnet. Dafür verantwortlich waren Fürst Wilhelm Malte zu Putbus mit seiner Gattin Fürstin Luise.

Die Fürstin hat maßgeblicher an der Parkgestaltung mitgewirkt als bisher angenommen, sowohl zu Lebzeiten des Fürsten (z.B. wenn er häufig auf seinen langen Reisen war) als auch nach seinem Tode, als sie einige Zeit das Parkmanagement selbst übernommen hat. Daher hat die Stadt für diesen Nationalerbe-Baum nun den neuen Namen „Schlosspark-Eiche Fürstin Luise“ gewählt, um auch ihre Leistungen anzuerkennen und bekannter zu machen (Bäume und Alleen mit seinem Namen gibt es schon). Die beiden Eichen stehen interessanter Weise am Entstehungsort der Parkanlage: es ist unterhaltsam sich vorzustellen, wie das Eichenpaar mit Bank dazwischen dem Fürstenpaar immer wieder als Ort der Inspiration bei der Parkentwicklung gedient haben könnte…

Im Park gibt es zudem etliche sehr schöne Ausblicke sowohl in die Parklandschaft als auch in die Weite des Umlandes, z.T. bis zur Ostsee (zum Rügischen Bodden bei Lauterbach) und zur Insel Vilm. Eine Allee wurde schon damals vom Schlosspark bis zum Bodden in Lauterbach angelegt (etwa 2,5 km). Lange geschlossene Alleen mit insgesamt über 30 Baumarten sind ja ein besonders starkes „Markenzeichen“ der Insel Rügen.

Berühmt ist der Schlosspark Putbus auch für seinen Bärlauchbestand – eine aromatische Heil- und Gewürzpflanze der Krautschicht, die angenehm nach Knoblauch schmeckt, aber nicht dessen Geruchs-Nebenwirkungen hat. Die Bärlauchblätter werden im Park kontrolliert gesammelt und in umliegenden Gaststätten verarbeitet.

Putbus macht zudem seinem Ruf als Rosenstadt alle Ehre: rund um den Park, z.B. am Markt lässt sich die beeindruckende Sortenvielfalt direkt erleben. Und weiter gibt es etliche attraktive Möglichkeiten im und am Park, nett einzukehren – wo ich die besondere leckerste Torte gegessen habe, verrate ich hier nicht. Aber die gibt es jedes Mal, wenn ich dort bin, und sie kennen mich dort schon… (ich brauche nichts mehr zu sagen, wenn ich komme). Ich kenne den Park seit 25 Jahren, da wir seit damals regelmäßige Rügenurlauber waren (und sind). Sehr sehenswert ist auch direkt am Park der große Rundplatz ‚Circus‘ mit seinen 9 radförmig angelegten Alleen, etwas weiter östlich als der Markt.

Heutzutage sind solche Parkanlagen eine Herausforderung für die Verantwortlichen durch den Klimawandel: infolge von immer mehr sowie längeren und extremeren Hitze- und Trockenperioden sind in den letzten 10 Jahren besonders viele Altbäume abgestorben, so auch etliche hier in Putbus. Daher ist das Parkmanagement aktuell ein wirklich kompliziertes Thema, denn man möchte einerseits das Kunst- und Lebenswerk – hier von Fürst und Fürstin zu Putbus – erhalten, muss aber den Baumartenbestand an die Veränderungen anpassen.

Es gibt inzwischen einige Ansätze mit Baumartenwechsel auch hier im Park, wo eine eindrucksvolle Mischung aus den schon bisher vorhandenen Baumarten mit neuen einheimischen und nichtheimischen gelungen ist, die testweise nun im Park neu eingeführt werden. Das bleibt spannend und man muss bei Bäumen lange Geduld haben, bis eine abschließende Beurteilung der neuen Arten möglich ist…

Text und Fotos: Andreas Roloff, TU Dresden

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