Flehmüllers Eiche Nordhausen (Landkreis Nordhausen am Südharz, Thüringen)
| Baumart | Stiel-Eiche (Quercus robur) |
| Standort: | am Rand des Liethberges, nördlich vom nordöstlichen Rand des Nordhäuser Stadtteils Krimderode auf einem Höhenweg 400 m über Wiesen, oder direkt von der B4 (keine Parkplätze dort) etwa 100 m Aufstieg auf einem Trampelpfad am Waldrand; Landkreis Nordhausen, Thüringen |
| Alter: | ca. 650 Jahre (600-700 Jahre nach Standort, Baumhistorie und -gestalt) |
| Stammumfang: | 7,35 m (in 1,3 m Stammhöhe, gemessen Nov. 2025) |
| Höhe: | ca. 20 m |
| GPS-Daten: | N 51.533872, O 10.780689 |
| NEB ab: | Febr. 2026 (die Ausrufung ist Anfang Juni 2026 geplant) |
Der Name „Flehmüllers Eiche“ (ist sogar in Navis mit diesem Namen zu finden) geht auf eine nette Geschichte zurück, die sich so tatsächlich zugetragen haben kann: am Flüsschen Zorge, im Tal unterhalb der beeindruckenden Eiche, stand früher eine Gipsmühle. Die Zorge führte fast regelmäßig im Frühjahr und Herbst Hochwasser. Der Sage nach musste der damalige Besitzer der Gipsmühle daher oft vor den Wassermassen flüchten, rettete sich dann mit seiner Familie auf den nahen Berg und suchte unter dieser Eiche Schutz. Dort flehte der Müller dann („Fleh-Müller“), dass seine Mühle von einer Katastrophe verschont bleiben und durch das Hochwasser nicht zerstört werden möge – was Erfolg gehabt hat!
Ab 1829 wurde der alte Hutewald um die Eiche begonnen abzuholzen. Aus den genannten Gründen von Flehmüllers Wunschgebeten hat sich ein örtlicher Rittergutsbesitzer damals vehement für den Erhalt dieser „sagenumwobenen“ Eiche eingesetzt, und das wurde tatsächlich befolgt. Sie hat also auch große Bedeutung für die lokale Waldgeschichte dort.
Und das Besondere an dieser Eiche ist nun zudem, dass sie Bundesumweltminister Carsten Schneider persönlich als Nationalerbe-Baum ausgesucht hat. Dafür wurde ihm ein Exposé mit 4 Thüringer Kandidaten übersandt (ausgewählt aus den bisher 26 Baummeldungen für Thüringen). Da es ein Baum der Stadt Nordhausen als Eigentümer ist, freut es die Nordhäuser Stadtverwaltung mit ihrem Oberbürgermeister und den Stadtgrün-Verantwortlichen natürlich ganz besonders, dass sich der Minister für ihre uralte Eiche entschieden hat: dies wird zu Recht als große Ehre empfunden. Und zudem hat der Bundesminister auch gleich seinen Wunschtermin für die Ausrufung mitgeteilt, dem natürlich gerne entsprochen wird, da er persönlich daran teilnehmen will.
Die eindrucksvolle Eiche ist markantes Wahrzeichen vor den Toren der Stadt Nordhausen und wurde bereits dreimal vorgeschlagen, u.a. von der Stadt selbst. Sie steht sehr exponiert auf dem Höhenrücken und im Regenschatten des Harzes am Südharzer Karstgebiet (einer Trockenregion), so dass sie – noch dazu mit ihrem früheren Aufwuchs im Wald – einen deutlich geringeren Zuwachs gehabt haben dürfte als viele andere Eichen. Das ist bei der Alterseinschätzung zu berücksichtigen, so dass wir bei etwa 650 Jahren landen und damit also ihr Alter sogar höher einschätzen als viele andere. Eigentlich würde man dort eher eine Trauben-Eiche als eine Stiel-Eiche erwarten, unter dem Baum lagen im Herbst aber vor allem Stieleichen-Blätter, weniger Traubeneichen-Blätter. Das wird natürlich im kommenden Sommer nochmal gezielt überprüft.
Die Flehmüller-Eiche vermag Geschichten zu erzählen wie kaum ein anderer Baum in der Region. Als ausgewiesenes Naturdenkmal genießt sie sowohl in der Bevölkerung als auch bei den Verantwortlichen eine besondere Wertschätzung und Aufmerksamkeit.
Beeindruckend sind ihre mächtigen Wurzelanläufe, die zeigen, dass der Untergrund an dieser Stelle schwer durchwurzelbar war und ist. Das könnte z.B. an einem größeren Gesteinsblock liegen, der sich dort im Boden befindet. Denn die Eiche steht direkt am 250 km langen Südharzer „Karstwanderweg“ durch eine sehr besondere Landschaft, die auf die gesteinsauflösende Wirkung des Wassers in den Gipsböden des Südharzes zurückgeht: mit Höhlen, Erdfällen und Dolinen, Karstquellen, Bachschwinden und Flussversinkungen, Karstkegeln, Schlotten, geologische Orgeln, Felsen und weißen Wänden – so nennen das Besondere dort die Geologen…
Also Waidmannsheil für Ihre demnächst 10-tägige traumhafte Wanderung von Sangerhausen bis Bad Grund entlang dem südlichen Harzrand! So hatte uns auch ein begeistertes Wandererpaar diese Eiche gemeldet, als sie staunend daran vorbeikamen, denn der Mega-Wanderweg führt unmittelbar am Baum vorbei – dort hat man etwa die Hälfte der Gesamtstrecke geschafft, also Zeit für ein Bergfest auf dem 245 m hohen Liethberg… Für bequeme Rast- und Sitzmöglichkeiten ist dort gesorgt. Vom Bahnhof und von der Innenstadt sind es 4,5 km zur Eiche.
Text und Fotos: Andreas Roloff, TU Dresden