Ginkgo im Schlosspark Jahnishausen

Baumart Ginkgo (Ginkgo biloba)
Standort: Schlosspark Jahnishausen (ca. 5 km südlich von Riesa/Elbe, 50 m hinter dem westlichen Eingang durch einen Mauertorbogen); Riesa, Lkr. Meißen, Sachsen
Alter: ca. 210 Jahre (geschätzt)
Stammumfang: 5,15 m (gemessen 08.2019 an Taille in 0,8 m Stammhöhe, Stammaufteilung in etwa 1,15 m Höhe)
Höhe: 25 m (geschätzt), Kronenbreite 26 m (geschätzt)
GPS-Daten: N 51.274708, O 13.286014
NEB seit: 19. Oktober 2019

Einer der schönsten und stärksten Ginkgos von Deutschland steht im Schlosspark Jahnishausen (Riesa, Sachsen). Er beeindruckt durch seinen ausgeprägten Habitus mit tief geteiltem Stamm, einem sehr beuligen, gedrehten und gebogenen kurzen unteren Stammabschnitt und darüber einer breit ausladenden Krone mit überhängenden Zweigspitzen. Mit seinem Alter von über 200 Jahren und einem Stammumfang von 5,15 m in 80 cm Höhe, der “Taille” des Stammes, gehört er zu den stärksten Ginkgos unseres Landes. Dabei ist die Messhöhe am Stamm schwierig festzulegen und je nachdem, in welcher Höhe man misst, ist das Ergebnis wegen der Beulen und Knollen sowie Stammgabelung in 1,15 m Höhe und starken Wurzelanläufen jedes Mal unterschiedlich.

Sein Standort im Park und der Schlosspark sind traumhaft, ein Besuch lohnt sich in jedem Falle: es handelt sich um einen mittelgroßen Landschaftspark mit Wasser- und Wiesenflächen und einigen besonderen Baumexemplaren. Er soll im frühen 18. Jahrhundert entstanden sein (erste dokumentierte Erwähnung 1717) und geht fließend in ein benachbartes Auenwald-Naturschutzgebiet am Flüsschen Jahna über. Schloss und Rittergut sind in einem “romantischen Zustand”, der Park ist in Teilarealen etwas verwildert. Nahe dem Ginkgo befindet sich eine Insel mit Teepavillon und geschwungener Fußgängerbrücke. Besonders schön ist es im zeitigen Frühjahr mit tausenden Märzenbechern auf den Wiesen und zur Laubfärbungszeit des Ginkgos Ende Oktober.

Das Höchstalter von Ginkgos kann über 1.000 Jahre erreichen. Bei uns können die Bäume heute allerdings höchstens etwa 250 Jahre alt sein, denn die Baumart wurde erst 1730 nach Europa eingeführt und hier dann nur allmählich verbreitet. Sie erreichen Höhen von 25-30 m und hierzulande maximale Stammumfänge von 3-4 m, nur selten 5 m wie bei diesem Exemplar. In seiner Heimat China gibt es uralte Exemplare mit 15 m Stammumfang, die sehr sehenswerte Baumskulpturen sind. Die Wald-Ginkgos wurden vor über 3000 Jahren von chinesischen Mönchen entdeckt und von dort zunächst über ganz China und Japan verbreitet, dann in jüngerer Zeit über die ganze Welt.

Die lang gestielten, zweilappigen (deshalb biloba im lat. Namen) Blätter sind durch ihre fächerartige Form unverwechselbar. Am schönsten ist diese Baumart zweifellos im Herbst (Oktober bis November), wenn sich seine Blätter leuchtend goldgelb färben und die einmalige Blattsilhouette noch prägnanter in Erscheinung tritt. Gelegentlich wird der Ginkgo wegen seiner Blattform auch als Entenfußbaum bezeichnet.

Die Baumart ist zweihäusig, d.h. es gibt nur weibliche oder männliche Bäume, da die verschiedengeschlechtlichen, windbestäubten Blüten auf unterschiedlichen Individuen vorkommen. Die weiblichen Blüten sondern zur Blütezeit im Mai morgens einen Flüssigkeitstropfen aus, um den Pollen aufzufangen – wenn Sie sich sehr anstrengen, können Sie ihn vielleicht in der Morgensonne glitzern sehen. Der Bestäubungstropfen trocknet dann tagsüber wieder ein, wodurch der Pollen in das Blüteninnere gelangt. Das Besondere beim Ginkgo ist die urzeitliche Befruchtung durch begeißelte männliche Spermien-“Tierchen”, die aktiv in Flüssigkeit schwimmen können, um die weibliche Eizelle zu erreichen und in sie einzudringen.

Hier im Park handelt es sich um einen weiblichen Baum, der also Samen produziert. Diese sind bei uns bisweilen unbeliebt wegen ihres ranzigen Geruchs zur Reifezeit, in China hingegen heißbegehrt und verehrt, da man die sehr wohlschmeckenden Samen sammelt und intensiv nutzt. Dazu können wir noch viel lernen.

Text von Andreas Roloff, Tharandt (Auszug aus Buch “Die starken Bäume Deutschlands – 111 faszinierende Naturerben und ihre Geschichten”, Hrsg. Andreas Roloff, Quelle & Meyer Verlag Wiebelsheim, erscheint im Nov. 2019)

Fotos

Video

Der MDR hat in seiner Sendung “Sachsenspiegel” vom 19.10.2019  einen kurzen Beitrag über die Ausrufung und die Besonderheiten des Ginkgo gedreht.