Hoflinde Gut Burgstall (Rothenburg ob der Tauber, Reg.-Bez. Mittelfranken, Landkreis Ansbach, Bayern)
| Baumart | Sommer-Linde (Tilia platyphyllos) |
| Standort: | Gut Burgstall bei 91541 Rothenburg o.d. Tauber, privater Hof in Alleinlage (Zufahrt frei, Baum darf angesehen werden, bitte dabei das private Eigentum achten, parken im Hof ist möglich); etwa 5 km Anfahrt von Rothenburg o.d.T. nach Südwesten über Ortsteil Wildbad auf der St1022, Abfahrt links nach Burgstall (Schild), nach 200 m Rechtsknick der Zufahrt, dann nochmal etwa 500 m auf einspuriger Straße; Landkreis Ansbach, Regierungsbezirk Mittelfranken, Bundesland: Bayern |
| Alter: | ca. 700 Jahre (600-800 nach Baumgestalt, Standort und Gutshistorie) |
| Stammumfang: | 8,70 m (an Taille in 1,30 m Stammhöhe, gemessen Okt. 2025) |
| Höhe: | ca. 15 m |
| GPS-Daten: | N 49.353028, O 10.143819 |
| NEB ab: | Nov. 2025 (die Ausrufung findet am 7. Mai 2026 um 14 Uhr statt) |
Wenn man zu dem Baum anreist, kommen sicher die meisten über das deutschlandweit für seine einmalige Architektur berühmte und attraktive Städtchen Rothenburg ob der Tauber. Dorthin reisen Touristenbusse aus ganz Deutschland und dem Ausland an, was man entsprechend auch zu jeder Jahreszeit merkt und das etwas einplanen sollte: Wenn man sich die sensationell schöne Innenstadt ganz ungestört ansehen will, ist es günstig, eine ungewöhnliche Tageszeit oder eine Woche außerhalb der Ferienmonate und der Adventswochen zu wählen. Es lohnt in jedem Falle unbedingt.
Zur Hoflinde Burgstall muss man dann aber wieder herausfahren aus dem Städtchen, etwa 5 km nach Südwesten (Richtung Blaufelden/Schwäbisch Hall, s. genaue Routenbeschreibung im Kasten). Dorthin wird es schnell immer einsamer, bis schließlich nur noch dieser Hof in der freien Landschaft mit Blick in die weite Ferne kommt. Die besondere Linde ist nicht zu übersehen im Hof des Gutes, und man kann nah an sie herantreten. Die Baumbesonderheit ist neben ihrer Hofbaum-Funktion und dem altertümlichen Umfeld ihr dicker Stamm mit fast 9 m Umfang und die mächtige Krone. Der Stamm besteht aus zwei Stammteilen, die zusammengehörig sind, was man an ihrer beider halbringförmigen Gestalt erkennt. Wie öfters bei so alten Bäumen sieht man diesem Baumveteran an, dass er schon viel erlebt hat: die beiden Stammfußhälften haben wilde Strukturen mit gewaltigen Innenwurzel-Stämmen. Von der Krone sind immer wieder Teile abgebrochen (meist bei Sturm und Gewittern) und mussten regeneriert werden, was für Linden aber i.d.R. kein Problem darstellt. Hier wird ein junges engagiertes Arboristen-Team aktiv werden und sich um den Baum kümmern.
Zur Besprechung Ende November bin ich von einem anderen Baumtermin bei Regensburg mit 3 Std. Anfahrt durch starken Dauerschneefall gefahren, die Familie hat mich sehr gespannt und freudig empfangen. Natürlich wollten sie gerne erfahren, wie wir auf ihren Hofbaum gekommen sind und das habe ich erzählt: 2 Monate zuvor hatte ich 5 Kandidaten in dieser Region von Bayern detailliert angesehen und für unser Anliegen bewertet. Ihrer war der Sieger, da er alle Bedingungen am besten erfüllte (die anderen 4 Bäume hat und wird wie immer niemand erfahren).
Aus der vom Eigentümer überreichten Hofchronik geht hervor, dass es das Gut seit 1142 gibt – eine Gründung des Staufers Konrad III. Man nimmt an, dass die Linde auch von damals stammt (zusammen mit einer zweiten Linde 30 m entfernt auf dem Hof, die nicht ganz so groß ist). Dies kann bei ihrem heutigen Stamm aber nicht der Fall sein, allerdings ist bei Linden häufig der Wiederaustrieb eines Vorgängerbaumes möglich. Die Entstehung und Ursache dieses Wiederaustriebes lässt sich nicht mehr herleiten, da von einem Baum vor 900 Jahren nichts mehr übrig ist. Die heutige Sommer-Linde steht günstig neben der Dachentwässerungsrinne des nahen Gebäudes und müsste daher meist gut mit Wasser versorgt worden sein und werden.
Die Vorfahren der heutigen Besitzer erwarben das Gut Mitte des 19. Jahrhunderts. Bis in die 1990er Jahre wurde hier die älteste Zucht des Merino-Landschafes in Süddeutschland betrieben. Sämtliche heute vorhandenen Gebäude stehen unter Denkmalschutz, die beiden Linden auch.
Wir freuen uns sehr, hier mal wieder einen Privatbaum gefunden zu haben, der alle Bedingungen erfüllen kann und dass die Eigentümer von der hohen Auszeichnung so begeistert sind.
Text und Bilder: Andreas Roloff, TU Dresden