Reformationslinde Steinbergkirche (Kreis Schleswig-Flensburg, Schleswig-Holstein)

Reformationslinde Steinbergkirche: und dieselbe Perspektive der reformationslinde fast 3 Jahre später (Mai 2024)
BaumartSommer-Linde (Tilia platyphyllos)
Standort:Gemeinde Steinbergkirche, Kreis Schleswig-Flensburg, ca. 25 km östlich der Stadt Flensburg; unübersehbar an der Hauptstraße B 199 in Ortsmitte neben der Kirche (an der Einmündung Gintofter Straße 1); Bundesland: Schleswig-Holstein
Alter:ca. 500 Jahre (zur Reformation etwa 1520 gepflanzt)
Stammumfang:9,30 m in 1,1 m Stammhöhe (an der Taille um beide Stammteile herum, gemessen im Mai 2024)
Höhe:ca. 13 m
GPS-Daten: N 54.755062, O 9.759721
NEB ab:Mai 2024 (die Ausrufung ist am 13. Juli nachmittags  geplant)

Nun haben wir also auch das absolute „Nordlicht“ unter unseren Kandidaten gefunden – mit dieser Linde ist die nördliche Grenze Deutschlands nahe Flensburg vertreten, und so werden auch die Ost-, Nord-, West- und Südflanken unseres Landes auf der Karte immer besser durch Uraltbäume „markiert“.

In Schleswig-Holstein gibt es nicht sehr viele alte Bäume über 400 Jahre wegen all der Stürme (und Sturmfluten), durch das verbreitet hoch anstehende Grundwasser (mit der Folge flacher Bewurzelung) und auf großen Flächen im Westen sehr intensiver landwirtschaftlicher Nutzung – dort ist deshalb bisher kein einziger Baum über 400 Jahre bekannt (habe persönlich alles danach abgesucht und unter Baumkennern herumgefragt). Zudem können viele der dort im Norden vorkommenden Baumarten nicht über 500 Jahre alt werden, wie z.B. schnell wachsende Pappeln, Birken, Weiden und Spitz-Ahorne.

Die Reformationslinde hat einen sehr beeindruckenden wilden Stamm mit extrem vielen „Macken“, sieht für ihr Alter sehr mitgenommen aus: sie zeigt eine enorme Vielfalt von Symptomen der Körpersprache an Bäumen – das wird auf der Ausrufung dann näher erläutert.

Das angegebene Alter 500 Jahre passt gut zum Stamm mit über 9 m Umfang, denn urkundlich erwähnt gab es 1576 ein bedeutsames Treffen unter der Linde – damals wäre die Linde dann etwa 55 Jahre alt gewesen, so dass man sich schon gut unter ihr beraten konnte. Somit ist die Pflanzung ca. 1520 glaubhaft und hat hervorragend passend zu ihrem Namen geführt.

Das Ambiente an der Kirche auf dem (noch aktiven) Friedhof ist sehr ansprechend. Der Raum um die Linde wird perspektivisch nicht wieder neu mit Gräbern belegt, um den Baum mehr zu würdigen und gelegentlich dort feiern zu können. Dieses „Freilenken“ wird sich allerdings bis zu 50 Jahre hinziehen.  Die Ausrufungsfeier ist dann die erste solcher Veranstaltungen am Baum – dafür sind natürlich ein paar wichtige Dinge beim Feiern auf einem Friedhof zu beachten.

Die Reformationslinde hat für den Ort und die Gemeinde eine herausragende Bedeutung, dies nun erst recht durch unsere Ehrung und damit deutschlandweite Würdigung seiner Besonderheiten. Alleine während meines Aufenthaltes dort am Baum vor der Besprechung kamen 10 Bauminteressierte vorbei (die meisten mit Rädern), um die Linde zu fotografieren und zu bewundern.

Einiges an vorsichtigen Pflege- und Sicherungsmaßnahmen wird notwendig, die wir begleiten und finanzieren wollen. Es gibt hier eine sehr engagierte Untere Naturschutzbehörde (UNB) beim Landkreis, die sich sehr motiviert um die alten Bäume im riesigen Landkreis Schleswig-Flensburg kümmert – das möchten wir auch besonders würdigen.

Dies ist der zweite Nationalerbe-Baum von Schleswig-Holstein, da es zu den 5 kleinsten Bundesländern gehört. Hier wurde bereits 2019 die erste Eibe unserer Ehrenbäume gefunden (ebenfalls ein Kirchenbaum, in Flintbek bei Kiel).

Unbedingt lohnend ist von dort aus in der Nähe die Wasserstadt Flensburg und ein Abstecher zur Flensburger Förde („Ostseefjord“) z.B. beim Schloss Glücksburg mit NSG Holnis und zur Ostseeküste ab NSG Geltinger Birk – ich könnte jetzt 10 weitere Locations dafür empfehlen, aber das ist ja nun nicht das Thema…

Text und Fotos: Andreas Roloff, TU Dresden