Schlosseibe in Baruth/Mark (Landkreis Teltow-Fläming), Brandenburg

in der Sichtachse etwa nach Südost kann man durch den Stamm hindurchsehen und -gehen
BaumartEuropäische Eibe (Taxus baccata)
Standort:vor dem Alten Schloss Baruth/Mark am Schlossplatz, gegenüber vom Haus Hauptstraße 68 auf einer großen Wiese unmittelbar vorm Schloss; auf dem 50 m-Weg vom Parkplatz an der Hauptstraße zum Schloss läuft man unweigerlich auf die Eibe zu; sie steht auf einer kleinen Erhebung links des Weges (es sind nicht die Eiben rechts vorm Schloss gemeint)
Alter:ca. 350 Jahre (teils Wiederaustrieb einer etwa 150-jährigen Vorgängereibe, hergeleitet aus Baumgestalt, Standort und Schloss-Historie)
Stammumfang:4,20 m in 0,6 m Stammhöhe (Taille oberhalb der Wurzelanläufe, gemessen August 2025)
Höhe:ca. 8 m
GPS-Daten: N 52.051085, O 13.505814
NEB ab:August 2025 (die Ausrufung erfolgt am 10. April 2026 um 14:00 Uhr)

Das nette Städtchen Baruth in der sog. Mark Brandenburg hat einige Sehenswürdigkeiten, aber die Schlosseibe war bisher noch weitgehend unbekannt geblieben. Eine Beschreibung in der Baum-Zeitschrift ‚Der Eibenfreund‘ (Jahrgang 2022, Download über Google möglich) vom Dendrologen und Baumkenner Andreas Gomolka hatte mich auf sie aufmerksam gemacht, und ich hatte diese Eibe seitdem in „Wartestellung“. Denn er schrieb in seinem Artikel über bemerkenswerte Eiben in Brandenburg (S. 59): „Diese Eibe habe ich aufgenommen, weil ich sie außergewöhnlich schön finde.“ Der Satz hat es mir damals beim Lesen angetan.

Und als ich im Juli 2025 auf einer Baum-Suchtour durch die südliche Mark Brandenburg dort vorbeikam, stand sie mit weiteren 5 Kandidaten im Programm und dann seitdem als Kandidat für unsere Nationalerbe-Bäume in dieser Region fest. Bereits kurz danach kam ein Ortstermin beim Bürgermeister der Stadt zustande, und er hatte zur Besprechung schon den unterschriebenen Vertrag vorbereitet (so liebe ich das!). Denn er war so überwältigt von unserem Vorhaben und die Stadt empfindet es als große Ehre, dass wir ihre Eibe ausgewählt haben.

So haben wir dabei auch gleich über die Ausrufungsfeier und schöne Details zu ihrem Ablauf im Frühjahr 2026 gesprochen, wofür ggf. bei schlechtem Wetter oder auch sonst für einen Teil der Zeremonie sogar das Schloss zur Verfügung stehen wird. Rundherum um die beiden Schlösser gibt es einen sehenswerten romantischen Landschaftspark (angelegt 1828) mit vielen weiteren beeindruckenden Baumsolitären. Es macht Freude, dort herumzuspazieren und seltene Baumarten zu suchen (z.B. Scharlach-Eiche und Sumpfzypresse) sowie die wunderschönen Ausblicke in die Auenlandschaft zu genießen.

Einige andere Eiben um das Schloss sind bereits Naturdenkmale, aber unauffällig mit dünneren Stämmen und ohne besondere Erscheinungsform, wie sie bei der Schlosseibe ausgeprägt ist.

Diese Eibe ist in Teilen der Wiederaustrieb eines Vorgängerbaumes, was man an ihren vielen Stämm(ch)en, dem gewaltigen Stammsockel und der darüber tief angesetzten Krone erkennt. Daher ist eine Altersschätzung hier schwierig, aber die Vorgängereibe dürfte aufgrund ihres Stammumfanges (der noch grob erkennbar ist) etwa 150 Jahre alt gewesen sein, als sie aus unbekannten Gründen abbrach oder abgesägt wurde. Die heutigen Wiederaustriebe danach sind wohl an die 200 Jahre alt. So landet man zusammen bei etwa 350 Jahren, was erstaunlich gut dem Zeitpunkt der Schlossausbau-Fertigstellung um 1670 nahekommt. Der Vorgängerbaum könnte also damals gepflanzt worden sein – eine schöne Vorstellung, aber leider durch nichts zu beweisen. Immerhin gibt es ältere Bilder vom Schlossplatz, z.B. ein Luftbild von 1938 (im historischen Stadtinventar), wo die heutige Schlosseibe schon als großer alter Baum zu erkennen ist.

Allerdings könnte die Vorgängergeschichte der Eibe auch schon bis zur Burg-Fertigstellung im 13. Jahrhundert zurückreichen (mit ggf. 2 Vorgängerbäumen!). Oder wesentlich kürzer sein, denn bei all den vielen Baumaßnahmen, die auf dem Gelände des Alten Schlosses und am Schloss selbst Jahrhunderte lang erfolgt waren, könnte die Eibe (bzw. ihr Vorgänger) auch im Weg gestanden haben und deshalb abgesägt worden sein. Es sei denn, ihr Wuchsort war schon seit damals ein heiliger Ort. Es ist also viel Spielraum für ihre Entstehungsgeschichte, und wer dazu noch etwas mehr weiß oder herausfindet, bitten wir sehr um Mitteilung oder Hinweise (z.B. auch noch ältere Bilder).

Da sich die Eibe auf einer kleinen, aber deutlichen Erhöhung befindet, macht dies den Eindruck einer absichtlichen Pflanzung zu einem bestimmten Anlass mit langfristigem Zweck (was auch für eine längere Baum-Lebensgeschichte spricht als nur die der heute vorhandenen Wiederaustriebe).

Die Taille des wulstigen Stammes befindet sich in 0,6 m Stammhöhe, darüber teilt er sich in zahlreiche Stämmlinge auf. Der dadurch kurze imposante Stamm mit noch erhaltenen Teilen vom Ursprungsbaum ist aber absolut prägend für den Baum und seine Wirkung wie bei etlichen Methusalem-Eiben in England mit einem Alter von dort 1000 und mehr Jahren.

Bis vor 10 Jahren wurde diese Eibe gar nicht beachtet, da sie einfach – wie bei vielen älteren Eiben typisch – ein grüner „Busch“ war mit rundherum tief herabhängenden immergrünen Ästen, die 365 Tage des Jahres den Stamm verdeckten. Erst durch ein erfolgtes Freischneiden der Unterkronenäste vor 10 Jahren trat ihr sensationeller Stamm dann in Erscheinung, was nun regelmäßig durch Entfernen der unteren Zweige erhalten bleiben soll. Dies ist für den Baum absolut unproblematisch, da sich diese Äste im tiefsten Schatten der darüber vorhandenen großen Krone befinden und daher vom Baum nur mit Mühe am Leben erhalten werden können. Evtl. verbrauchen sie sogar mehr Zucker als sie dort im Tiefschatten jährlich selbst produzieren können.

Es handelt sich hier übrigens um eine weibliche Eibe, denn die Blütengeschlechter kommen bei Eiben nur auf verschiedenen Bäumen vor. Diese Eibe produziert also jedes Jahr rote Samen mit einer fleischigen Hülle, aus der man sogar Marmelade herstellen kann (die allerdings nicht schmeckt und viel Arbeit macht). Und Vorsicht: dabei muss man unbedingt die Kerne herauslösen, da sie wie die Nadeln giftig sind!

Das Alte Schloss Baruth sieht neuer aus als sein Name (da es restauriert und saniert ist), und nicht weit links dahinter am Wiesenende steht das „Neue Schloss“ (der Name stammt noch aus alter Zeit), welches eher zum Namen Altes Schloss passen würde, da es noch im ursprünglicheren Zustand vor sich „hinschlummert“.

Das Alte Schloss Baruth bei unserer Nationalerbe-Eibe wurde auf den Fundamenten einer alten Burganlage aus dem 13. Jahrhundert errichtet. Deren Bodendielen waren noch so gut erhalten, dass sie dendrochronologisch (mit Hilfe ihrer Jahrringabfolge) datiert werden konnten: die Fällung der Bäume dafür war im 13. Jahrhundert erfolgt. Der heutige Bau stammt in seiner Form aus der Zeit um 1670 und wurde von 2009 bis 2013 umfassend saniert. Zuvor waren darin Wohnungen untergebracht, und im darin befindlichen großen Saal wurden Kinofilme gezeigt. Heute ist das Schloss kultureller städtischer Veranstaltungsort und Treffpunkt für besondere Gelegenheiten.

Text und Bilder: Andreas Roloff, TU Dresden