“Dicke Linde” Heede/Emsland

Baumart Sommer-Linde (Tilia platyphyllos)
Standort: Am Ortseingang von Heede (Seitensträßchen Pinnincksallee von Hauptstraße); Lkr. Emsland, Niedersachsen
Alter: ca. 600-800 Jahre (geschätzt)
Stammumfang: etwa 17,50 m (gemessen 12.2018 in 1,30 m Stammhöhe)
Höhe: 24 m (geschätzt), Kronenbreite 30 m (geschätzt)
GPS-Daten: N 52.993271, O 7.295812
NEB seit: 05. Oktober 2019

Im Nordwesten Deutschlands steht einer der mächtigsten Bäume Europas, sicher aber der stärkste Baum Deutschlands – die Riesenlinde von Heede, auch als „Tausendjährige Linde“ oder „Dicke Linde“ bekannt. Mit über 17 m Stammumfang – genau lässt sich das wegen der vielen Einbuchtungen nicht ermitteln –, einer Krone von fast 30 x 30 m und einer Höhe von etwa 24 m stellt sie einen wahren Baumkoloss dar.

Die Geschichte dieses Baumes reicht weit in die Vergangenheit zurück. Ihr werden tausend Lebensjahre zugeschrieben. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass sie irgendwann zur Entstehungszeit der Schärpenburg als Burglinde gepflanzt wurde. Diese wurde um 1470 als Befestigungsanlage neu errichtet; nur wenige Kilometer entfernt verläuft die niederländische Grenze. 1763, im letzten „Holländischen Krieg“, wurde die Wasserburg eingeäschert – gut möglich, dass die Linde dabei Schaden erlitt und die Krone verlor. In der Folge trieben Stämmlinge aus, von denen heute noch 9 leben und selbst wie mächtige Bäume erscheinen. Die fast 16 m2 große Fläche, die sich auf dem Stumpf gebildet hat, war früher mit Holzbohlen gedeckt. Zunächst sollen hier Kanonen platziert worden sein, später wurden Gottesdienste und wahrscheinlich auch Tanzvergnügen abgehalten. Auch die Münsteraner Fürstbischöfe sollen auf dieser Stelle Bankette abgehalten haben. Noch heute ist die Linde Mittelpunkt dörflicher Veranstaltungen. Zu Fronleichnam findet unter dem Baum ein Gottesdienst mit Prozession statt; der Heeder Schützenkönig wird hier proklamiert, und so manche Trauung hat hier stattgefunden.

Ehrfurchtsvoll nähert man sich einem solchen Baumriesen. Kein Bild mag die Größe und Ruhe widergeben, die solch ein Baumwesen ausstrahlt; es vermittelt uns einen Hauch von Ewigkeit. Die Heeder Linde erscheint noch völlig gesund, der Stamm ist wohl nicht hohl, ganz ungewöhnlich für eine Linde, die schon über 500 Jahre hat vorübergehen sehen. Man nahm an, die Linde sei gar nicht ein einziger Baum, sondern aus einer Büschelpflanzung mehrerer junger Setzlinge entstanden. Von den stärksten Stämmlingen gewonnene Triebe wurden im Labor untersucht – alle stimmten genetisch überein! Damit war der Beweis erbracht, dass es sich tatsächlich um einen Baum handelt.

Der Baum ist wesentlicher Bestandteil im Wappen des Dorfes. Einige Dorfveranstaltungen in Heede, die immer noch unter dem Baum stattfinden, zeugen von der innigen Verbundenheit der Dorfgemeinschaft mit der Linde. Sie wird sicher noch viele Jahrhunderte weiter gedeihen und die Reisenden in Erstaunen versetzen, die zum ersten Mal an ihrem mächtigen Stamm stehen.

Text von Eike Jablonski, Kruchten (Auszug aus Baumgeschichte im Buch “Die starken Bäume Deutschlands – 111 faszinierende Naturerben und ihre Geschichten”, Hrsg. Andreas Roloff, Quelle & Meyer Verlag Wiebelsheim, erscheint im Nov. 2019):

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