Weiß-Tanne bei Grafenhausen im Hochschwarzwald (Landkreis Waldshut, Baden-Württemberg)

Weiß-Tanne bei Grafenhausen: gewaltiger Stammfuß der Danieltanne mit sehr gelungener Inszenierung des Wuchsortes
BaumartWeiß-Tanne (Abies alba)
Standort:nahe den Weilern Brünlisbach und Rothaus der Gemeinde Grafenhausen, von dort am Heimatmuseum Hüsli zu Fuß etwa 1,5 km = 20 min auf Waldwegen ostwärts, oder mit dem Pkw auf der L 170 zum Parkplatz Abzweigung Ebersbach fahren und von dort 100 m zur Käppele-Tanne Kapelle und weiterlaufen – dann ist die Danieltanne ausgeschildert (15 min Waldwege)
Alter:ca. 450 Jahre (aus Stammdimension, Standort und Waldhistorie hergeleitet)
Stammumfang:5,80 m (in 1,3 m Stammhöhe, gemessen Nov. 2025)
Höhe:ca. 45 m
GPS-Daten: N 47.796217, O 8.261936
NEB ab:Nov. 2025 (die Ausrufung ist am Freitag, 22. Mai 2026 um 15 Uhr geplant)

Wir sind sehr glücklich über diesen Fund einer richtig dicken Weiß-Tanne im Schwarzwald, denn im Bayerischen Wald hatten wir ja bereits eine ausgerufen und so war die Suche im Schwarzwald danach spannend und hat etwas gedauert. Fast 10 dicke Tannen wurden angesehen und bewertet, die Siegerin war und ist ganz klar diese Danieltanne geworden: mit ihr kann keine andere im Schwarzwald in Alter und Stammdícke mithalten.

Ein Vorgängerförster hatte den Baumveteran in den 1990er Jahren Danieltanne genannt, da die zugehörige Gemarkung dort Daniel heißt. Sie ist die dickste Tanne des Schwarzwaldes und steht gemeinsam mit „Daniela“ (gleich neben ihr, nicht ganz so dick und hoch) mitten im Gemeindewald zu Grafenhausen, nicht weit vom Schluchsee und fühlt sich dort sichtlich sehr wohl. Denn Tannen mögen es am liebsten in mittleren Gebirgshöhen (hier fast 1.000 m) gemeinsam mit Fichten, Buchen und Berg-Ahornen: das ist der sog. Bergmischwald, wo es immer schön feucht und kühl ist.

Der Tannenanteil im höheren Schwarzwald war früher viel größer, wurde dann zunächst durch intensive Nutzungen des wertvollen Holzes geringer (sog. Holländerhiebe im 18./19. Jahrhundert) und hat sich danach weiter verringert durch Rehwild-Verbiss und riesige Flächen mit Fichtenpflanzungen. In den 1980er Jahren sind es nochmals deutlich weniger geworden durch die starken SO2-Immissionen (da sind Tannen sehr empfindlich), durch extreme Orkan-Stürme wie Wiebke 1990 und Lothar 1999 (weil viele Tannen oben über den Waldbestand hinausragten und vom Sturm gebogen umstürzten oder abbrachen) und schließlich durch die extremen Trockenjahre seit 2018 (davon sind allerdings vor allem Fichten betroffen).

Das Baumalter der Danieltanne schätzen wir nach Vergleichen mit anderen alten Tannen, deren Baumalter gemessen wurde oder bekannt ist, höher ein als auf der Tafel steht, nämlich auf etwa 450 Jahre. Die Höhe solcher Baumriesen ändert sich fortlaufend (hier aktuell 46 m), da immer mal im Wipfelbereich einzelne Zweige absterben (durch Trockenstress: wenn die Tanne es nicht mehr schafft, das Wasser bis in die Baumspitze hochzuziehen) oder abbrechen (durch Sturmböen bei Gewittern oder Eisanhang im Winter), und andererseits in guten Jahren auch mal wieder ein paar Jahrestriebe hinzukommen. Genaue Erfassungen an anderen so hohen Bäumen ergaben tatsächlich im Lauf der Jahre ein ständiges „Auf und Ab“ im Wipfelbereich um 1-2 m.

Es stellt sich neuerdings heraus, dass Weiß-Tannen doch mit Trockenheit viel besser umgehen können als gedacht, im deutlichen Unterschied zur Fichte. So ist die Weiß-Tanne derzeit der Renner bei Nachpflanzungen in Parkanlagen und bei Waldverjüngungen geworden, weshalb man aktuell kaum noch größere Pflanzen bekommt. Noch besser sind allerdings gekeimte Bäumchen aus Naturverjüngung von Tannensamen, denn diese Tannenbabys machen dann vom ersten Lebensjahr an meterlange Pfahlwurzeln und sichern sich so Wassermoleküle aus tieferen Bodenschichten für Trockenperioden.

Tannen sind von Fichten gut an den Nadeln zu unterscheiden: die Nadeln der Tanne sitzen an den Zweigen auf kleinen Füßchen (sehen aus wie Saugnäpfe), und diese bleiben an der Nadel, wenn man sie abzupft. Bei Fichten gibt es so ein Füßchen nicht und die Nadeln hinterlassen beim Abzupfen vom Zweig einen kleinen Höcker.

Das Besondere der bis zu 16 cm groß werdenden Tannenzapfen am Baum ist, dass sie wie Kerzen auf den Zweigen stehen und nicht wie bei fast allen anderen Nadelbäumen (z.B. den Fichten) von den Zweigen herabhängen. Bei der Reife rieseln die Tannensamen im Herbst und Winter dann nach und nach von der Zapfenspitze beginnend aus der Krone herunter, es fallen also nicht wie bei Fichten die ganzen Zapfen ab. Schließlich stehen auf den Ästen nur noch die Spindeln der Zapfen und man erkennt dann Spieße auf den Tannenzweigen, was etwas bizarr aussehen kann.

Der Werdegang der Danieltanne zum Nationalerbe-Baum hat etwas länger gedauert, da dort bei der ersten Anfrage die Fernsehserie Schwarzwaldklinik alle noch in ihren Bann gezogen hatte. Doch weil damit inzwischen Ruhe eingekehrt ist, ging es jetzt bei der 2. Anfrage vor Ort ganz wunderbar schnell mit einem Treffen und Vertragsunterzeichnung – auch mit der Unteren Naturschutzbehörde (UNB), da die Danieltanne Baum-Naturdenkmal ist.

Die seit 1985 über 3 Jahrzehnte lang gesendete Fernsehserie Schwarzwaldklinik bringt die Schönheit und Besonderheiten des Hochschwarzwaldes so wunderbar herüber, dass ich mir etliche Folgen genüsslich angesehen habe und so vor Ort dann sogar „mitreden“ konnte, z.B. über’s Hüsli und weitere Spezialitäten dieser Region bei der Danieltanne. Und das liebe ich ja so besonders an meinem aktuellen Job: dass ich Deutschland bis in alle Ecken kennenlerne wie nie zuvor, da ich ja immer auch mit den Menschen vor Ort zusammenkomme, um die Baumfeier zur Ausrufung zu organisieren. Inzwischen haben nun schon 55 solcher „Partys in der Fremde“ super geklappt, da können und dürfen wir ein bisschen stolz sein.

Und ich kann nur sagen: Deutschland ist so wunder-wunderschön, da brauche ich nicht mehr sonstwohin zu fliegen. Und aktuell sollen und wollen wir ja hierzulande auch noch 33 weitere Bäume finden (aus 500 Kandidaten) und 45 sind noch auszurufen – auf geht’s!