Wolfgangseiche Thalmassing (bei Regensburg, Bayern)

Baumart | Stiel-Eiche (Quercus robur) |
Standort: | 300 m östlich von Schloss Haus an einem Waldweg (Ende einer Zufahrtsstraße mit Parkplatz): die Wolfgangseiche vor Ort sehr gut ausgeschildert, da Wahrzeichen der Gemeinde Thalmassing im Ortsteil Neueglofsheim, Landkreis Regensburg, Regierungsbezirk Oberpfalz, Bayern |
Alter: | ca. 800 Jahre (700-850, die bei Recherchen gefundenen Angaben reichen von 400 bis 1300 Jahre) |
Stammumfang: | 9,80 m in 1,3 m Stammhöhe (gemessen Jan. 2025) |
Höhe: | ca. 20 m |
GPS-Daten: | N 48.901827, O 12.182629 |
NEB seit: | 21. Juni 2025 (Bericht & Fotos) |
Wir hatten bisher noch keinen Baum mit einer solchen Altersspanne der Nennungen von 400 bis 1400 Jahren, also mit 1000 Jahren Unterschied! Das ist schon ziemlich krass – und natürlich interessant, wie das möglich sein kann. Zudem gibt es so viele schöne Geschichten (je nach Baumalter), dass die hier nun nicht alle ausgebreitet werden können, man kann sie im Internet unter Wolfgangseiche nachlesen.
Bei dieser monumentalen Eiche ist zunächst rein äußerlich das sehr Besondere ihre eindrucksvolle Gestalt: ein extrem urtümlicher Stamm mit vielen großen und kleinen Beulen, Knollen, Rissen, Öffnungen und einem riesigen Monster-Wurzelanlauf, so dass man Probleme mit der Stammumfang-Messung hat, da fast rundherum bis über 1,3 m Höhe die Wurzelanläufe reichen. Daher variieren auch die Umfangangaben sehr, denn die „Taille“ befindet sich in fast 2 m Höhe, was deutlich oberhalb der vorgegebenen Messhöhe liegt: man soll in 1,3 m Stammhöhe messen, bei Beulen darüber oder darunter oder an der Taille, falls sie unter dieser Höhe auftritt.
Wenn man vor dem Baum steht, braucht man erstmal eine Weile, um seine Körpersprache zu verarbeiten, und man fragt sich zwangsläufig: was muss dieser Baum schon alles erlebt haben? Und so kam und kommt man dann auf mystische Altersschätzungen und ließ sich auch schon früher schöne Geschichten dazu einfallen – die dann über Jahrhunderte immer mehr „ausgeschmückt“ wurden.
Dass diese Eiche mit ihrer sagenhaften Gestalt dazu verleitet, kann ich sehr gut nachvollziehen – hätte auch Lust, noch eine hinzuzufügen, aber das lassen wir mal besser. Das Baumalter dieser Eiche aus verschiedenen Stammumfang-Messungen herzuleiten, die zu verschiedenen Jahren erfolgt sind, ist auch nicht hilfreich, da man schon bei mehreren zeitnahen Messungen verschiedene Ergebnisse erhält, durch den gewaltigen beuligen Stammanlauf und je nachdem in welcher Stammhöhe man misst und wo andere gemessen haben (wenn es überhaupt genau genannt oder so eingehalten wurde).
In die Eiche haben schon öfters Blitze eingeschlagen, sie hat bereits mehrmals gebrannt und der über 10 m fast waagerecht ausladende dicke unterste Ast liegt seit über einem Jahrhundert auf Stützen nahe dem Boden (das sieht man auch schon auf alten Zeichnungen und Fotos), ursprünglich war er freitragend und viel dicker als heute. Es wird diskutiert, wie man mit den drei heutigen Aststützen umgeht: ob sie ideal sind oder den Ast schädigen könnten oder evtl. zu störend für den ästhetischen Eindruck der Eiche sind? Man muss jedenfalls behutsam damit umgehen, da der Baum die Stützen inzwischen in seine Statik „eingebaut“ hat. Und bisher hat der Ast ja die Stützmaßnahmen gut „verkraftet“, vor langer Zeit war er sogar zeitweise aufgehängt am Stamm, z.B. mit einer Leiter, dazu gibt es ein Bild im Buch „Der Heilige Wolfgang“ von 1894.
Mehrere große Löcher im Stamm sind beim Ausbrechen großer Äste entstanden, die im dünnen Stammmantel des Baumes keinen Halt mehr fanden. Denn der Stamm ist seit jeher fast vollkommen hohl, wie meistens bei so alten Eichen.
Es wurden auch schon ganz nah Nachfolge-Eichen gepflanzt, was allerdings bei mir sehr gemischte Gefühle auslöst – denn derzeit ist nicht zu erwarten, dass die Methusalemeiche übermorgen abstirbt, und die Nachfolger können in fortgeschrittenem Alter das Bild der heutigen Wolfgangseiche erheblich stören (wie heute schon die beiden Ulmen daneben), da ihre phänomenale Wirkung seit Jahrhunderten auf Alleinstellung beruht.
Einmal im Jahr wird unter der Eiche ein Gottesdienst abgehalten – das ist sicher immer ein schönes Erlebnis.
Text und Fotos: Andreas Roloff, TU Dresden