Traumhafte Ausrufung der Großen Eiche am Gutshof Lindstedt (Gardelegen, Sachsen-Anhalt) an alter Thingstätte
Bei Sonnenuntergang am Vortag und Sonnenaufgang am Ausrufungstag hat der mystische Ort nochmal alles gezeigt, was er zu bieten hat: mit dem Halbkreis alter Bäume um die Große Eiche, dem Blick ins Umland ungehindert bis zum Horizont, die ganze Inszenierung genau nach Norden ausgerichtet (was mir bisher gar nicht bewusst war). Daher geht jetzt um Mittsommer die Sonne im Nordwesten im 21:45 Uhr unter (Sommerzeit) und morgens im 4:40 Uhr im Nordosten wieder auf, beides frei sichtbar am Horizont – sehr spannend und beeindruckend. Dies alles spricht für einen historischen Thingplatz dort am Ort.
Durch das wilde Schauerwetter wirkte die Inszenierung noch eindrucksvoller, die Schauer zogen immer nördlich oder südlich vorbei, ein Wunder. Ich durfte in der Ferienwohnung im Gut übernachten, nur 200 m von der Eiche entfernt – da hätte man sie um Mitternacht aufsuchen können…
Eine halbe Stunde vor Beginn der Ausrufungsfeier um 11 Uhr gab es 15 min eine intensive Schauerwalze, so dass nur eine sehr reduzierte Teilnehmerzahl zu erwarten war. Aber es hörte 15 min vor Beginn auf, dann kam sofort die Sonne heraus und schien mit Wölkchen 3 Stunden – ein unglaubliches Geschenk, und es wurden dann doch etwa 100 Beteiligte und Gäste, überwältigend. Durch 3 Musikgruppen (Band, Flötengruppe und Männerchor) sowie eine Tanzgruppe gab es eine sehr abwechslungsreiche musikalische Begleitung. Ja, es wurde rein richtiges Volksfest, was phantastisch organisiert und vorbereitet war – unsere allergrößte Hochachtung und Riesendank!
Nach der Begrüßung durch die Vertreterinnen des Eigentümer-Fördervereins folgten Grußworte der umweltpolitischen Sprecherin des Landtags Sachsen-Anhalt, vom Landrat des Altmarkkreises, der Bürgermeisterin von Gardelegen und des Ortsbürgermeisters Lindstedt. Dann gab es richtig spannende Erkenntnisse zur Großen Eiche vom Leiter des Kuratoriums Nationalerbe-Bäume, u.a. zum dortigen historischen Thingplatz vor 1.000 Jahren und zum guten Zustand der Eiche heute. Dabei stellte auch die für diese Eiche zuständige junge Baumpflegerin ihr eindrucksvolles Pflege- und Sicherungskonzept der Uralteiche vor mit bemerkenswerten Prüfmethoden toter Äste in der Krone, wonach viele dieser Äste in der Krone verbleiben dürfen („Caspar David Friedrich-Eichen“).
Und dann folgte eine sehr emotionale Andacht durch den im Pfarrbereich zuständigen Pfarrer mit hochinteressanten Ausführungen zur Wirkung und Bedeutung alter Bäume, und welchen großen Wert solche Baumveteranen in vielerlei Hinsicht für uns Menschen haben. Das war sehr beeindruckend vorgetragen und begründet und wurde noch gekrönt durch 4 eigens vom Pfarrer neu geschriebene Liedtexte zu bekannten Melodien, wobei alle mitsingen konnten, da Liedzettel dazu verteilt wurden. Dieser Teil der Ausrufung war so ergreifend, dass etliche Gäste Tränen bekamen und sogar der Pfarrer selbst auch, sehr beeindruckend.
Dann erfolgte zum Abschluss wie immer die Tafelenthüllung, diesmal mit allen Grußwortrednern. Danach gab es das gemütliche Beisammensein mit einer enormen Auswahl von im Ort selbst hergestellten Köstlichkeiten: Backkartoffeln, Gulaschkanone und eine gewaltige Kuchenvielfalt, und dabei auch die Bewirtung selbst organisiert. Zudem war sehr beeindruckend ein eigens für die jüngeren Teilnehmer kleiner aufgebauter Spielplatz, der von den vielen Kindern begeistert angenommen wurde, darunter auch ein riesiger Baumstumpf zum Beklettern.
Große, große Freude über diese hochwürdige Feier und das Engagement vom Dorf und Verein. Es hat große Freude gemacht und über 3 Stunden gedauert, bei allerschönstem Wetter.