Eiche Lindstedt (im Gutspark, zu Gardelegen im Altmarkkreis Salzwedel, Sachsen-Anhalt)
| Baumart | Stiel-Eiche (Quercus robur) |
| Standort: | im Ortsteil Lindstedt der Hansestadt Gardelegen: im Gutspark Lindstedt, gleich hinter dem großen Gutshof, am nördlichen Ende der Straße Zum Lindengut (öffentlich zugänglich); Altmarkkreis, Sachsen-Anhalt |
| Alter: | ca. 400 Jahre (300 – 500 Jahre, aus Standort, Baumgestalt und Parkhistorie hergeleitet) |
| Stammumfang: | 5,80 m (an Taille in 1,2 m Stammhöhe, gemessen Mai 2025) |
| Höhe: | ca. 15 m |
| GPS-Daten: | N 52.594444, O 11.528103 |
| NEB ab: | Febr. 2026 (die Ausrufung ist am So 14. Juni 2026 um 11:00 Uhr geplant, mit einer Andacht um 12 Uhr) |
Diese großkronige Stiel-Eiche ist bisher ziemlich unbekannt gewesen und wurde von den Eigentümern selbst gemeldet. Sie steht zusammen mit weiteren alten Eichen auf einem historischen Platz, der eine starke Ausstrahlung hat und vor 1.000 Jahren ein Thingplatz gewesen sein könnte: man kann sich dort so gut wie selten irgendwo sonst vorstellen, wie ein Thingplatz im frühen Mittelalter ausgesehen haben könnte. Auch ein 15 x 15 m großer Turmhügel (Motte) mit umlaufendem Graben befindet sich auf dem Areal. Es ist ein Nachbau der in unmittelbarer Nähe befindlichen Überreste einer mittelalterlichen Turmhügelburg (Bodendenkmal).
Die Nachricht, dass diese besondere dicke Eiche Nationalerbe-Baum wird, hat auf dem Gutshof und im Dorf (wie auch darüber hinaus) eine große positive Wirkung ausgelöst, da sich die Eigentümergemeinschaft (der gemeinnützige Verein ‚Förderverein Historische Region Lindstedt e.V.‘) dort sehr beeindruckend für den Erhalt des historischen Gutshof-Ensembles engagiert und dafür schon viel investiert hat – und nun diese Auszeichnung ihrer Eiche für ihr Engagement dort erhält. Ziel des Vereins ist die Bewahrung des kulturhistorischen und naturräumlichen Erbes der Region durch die Erforschung, Dokumentation bzw. Pflege und Erhaltung im Sinne einer nachhaltigen Landnutzung und Landschaftsentwicklung. Dazu zählt auch die Erhaltung und Weiterentwicklung des Gutshofes, d.h. seiner prägenden denkmalgeschützten Gebäude und des sehr naturnah belassenen Gutsareals einschließlich Gutspark.
Die auserlesene Eiche hat einen eindrucksvollen, etwas schrägen Stamm mit vielen dicken Ästen und 2 Astausbruchlöchern im unteren Stammbereich, und darüber teilt sich der Stamm ab etwa 5m Stammhöhe in zahlreiche Stämmlinge, die ein breite Krone bilden. Im zentralen Wipfelbereich gibt es etliche Totäste, die dem Baum enorm Charakter verleihen. Sie sollen ausdrücklich erhalten bleiben und werden regelmäßig mit einem speziellen Verfahren auf ihre Holzfestigkeit geprüft. Denn solche Äste können in Eichenkronen über 100 Jahre bruchsicher erhalten bleiben, da ihr Holz nach dem Absterben des Astes austrocknet und dann sehr pilzresistent ist.
Wer dort zum ersten Mal ankommt, sollte sich eine Stunde Zeit nehmen und die starke Wirkung des Eichenhains genießen. Um die von uns ausgewählte dickste Eiche herum stehen dort noch 5 weitere ältere Eichen, das macht die enorme Wirkung des Platzes aus. Es können allerdings nicht mehr die Ursprungseichen sein, denn keine von ihnen ist heute 1000 Jahre alt. Und natürlich hat man an so einem magischen Ort in der Vergangenheit ausgefallene Bäume ersetzt und nachgepflanzt, der Kreis der Umrandungsbäume ist allerdings nicht mehr vollständig. Interessant ist, dass dort ansonsten vieles mit Linde heißt: der Ort Lindstedt, das Lindengut… und Linden gibt es tatsächlich auch reichlich dort, sie müssen dann früher wohl noch weit mehr in der Überzahl gewesen sein. Phänomenal ist an diesem Platz am Dorfrand auch der Blick weit in die Landschaft, das passt ebenfalls so gut zu seiner möglichen früheren Funktion als Verhandlungs- und Gerichtsort.
Man kann auch wunderbar auf dem Gutshof Lindstedt übernachten, 100 m von der Eiche entfernt (Anmeldung einfach über die Gutshof-Website). Die flache Landschaft um Lindstedt und bei Gardelegen ist ein sehr schöner Wiesen- und Waldwechsel mit Gewässern, der immer wieder zu Überraschungen führt, wenn man dort mit dem Rad herumfährt, wandert oder mit dem Auto kommt. Ein Stopp in Gardelegen lohnt unbedingt mit der historischen Altstadt. Und die ca. 900-jährige Hansestadt ist übrigens die drittgrößte Stadt von Deutschland (mit über 600 qkm Fläche, nach den Stadtstaaten Berlin und Hamburg), mit fast 22.000 Einwohnern im Altmarkkreis Salzwedel.
Text und Fotos: Andreas Roloff, TU Dresden