Dicke Eiche Endlichhofen (am Dorfrand, bei Nastätten im Rhein-Lahn-Kreis, Rheinland-Pfalz)
| Baumart | Stiel-Eiche (Quercus robur) |
| Standort: | in der Gemeinde Endlichhofen, zur Verbandsgemeinde Nastätten gehörig; am südlichen Ortseingang, beim Beginn des Sträßchens Schultheisengärten 1, mit eigener Bushaltestelle ‚Endlichhofen Dicke Eiche‘ an der Kreisstraße K 80 von Ruppertshofen nach Oelsberg, im rechtsrheinischen Rhein-Lahn-Kreis, Rheinland-Pfalz |
| Alter: | ca. 500 Jahre (400 – 600 Jahre, aus Standort, Baumgestalt und Ortshistorie hergeleitet) |
| Stammumfang: | 7,75 m (in 1,3 m Stammhöhe, gemessen Jan. 2026) |
| Höhe: | ca. 25 m |
| GPS-Daten: | N 50.200466, O 7.820572 |
| NEB seit: | 28. Juni 2026 (Bericht & Fotos) |
Es handelt sich um eine ästhetisch besonders schöne und interessante Uralteiche, mit etlichen Totästen (von denen möglichst viele erhalten bleiben sollen) und vielen alters- und lebensgeschichtlich bedingten „Macken“. An ihr sind so ziemlich alle Methoden der Baumpflege und -sicherung der vergangenen Jahrzehnte „ausprobiert“ worden, wie sie früher nach dem jeweiligen zeitlichen Kenntnisstand angewendet wurden. Zum Glück wurde sie aber kaum beschnitten. In letzter Zeit ist die Eiche in den sehr guten Händen eines engagierten Baumpflegers und -Sachverständigen, der nun unterstützt wird von uns und einem jungen Arboristenteam unseres neuen DBU-Projektes ArBoR:Net, worüber er sich sehr freut.
Der amtierende und seit seiner Kindheit in Endlichhofen lebende Ortsbürgermeister hat mir berichtet, dass die Eiche in den 1970er Jahren nach seiner Erinnerung kaum besondere Beachtung fand. Damals hatten sie als Kinder gerne in ihrer Nähe gespielt, dort alle paar Jahre viele Maikäfer gefangen und sind mit Räuberleiter in ihr großes Stammloch geklettert. Das jährliche Maifeuer wurde dann lange Zeit auf dem Platz bei der Eiche gefeiert, und man traf sich gerne und oft unter ihr. Seit Anfang der 1980er Jahre fanden jährlich Dorffeste an der Eiche statt.
1974 rauchten Jugendliche in ihrem hohlen Stamm und es entstand ein Feuer, das sich zu einem Vollbrand des ganzen Baumes entwickelte, den die Feuerwehr erst nach 2 Tagen mit Schaum löschen konnte. Ein Gutachten ergab damals, dass der Baum dadurch einen enormen Schaden genommen hatte – man hat sich aber dafür ausgesprochen, die Eiche als Ortswahrzeichen unbedingt zu erhalten.
Ursprünglich hatte sie einen stammnahen Ring aus Bruchsteinen um den Stammfuß, später sogar einen Betonring. Beides wurde etwa 1980 wieder entfernt, um eine Wurzelbehandlung und eine „Baumsanierung“ durchzuführen, das Stamminnere wurde mit Pilzbekämpfungsmittel ausgespritzt. Mitte der 1990er Jahre erfolgte erneut eine „Baumsanierung“, nachdem ein großer Ast abgebrochen war. Es wurden Seile, Gurte und Stangen eingebaut. Alles erfolgte immer nach dem jeweiligen Stand des Wissens, der sich seitdem aber laufend veränderte.
Danach wurde Steinmehl zur Bodenverbesserung unter den Kronenbereich ausgebracht und der Wurzelbereich mit einer Strohdecke geschützt. Die jungen Blätter am Baum wurden im Sommer mehrmals mit einem Mittel gegen Mehltau besprüht. Es brach erneut ein sehr großer Ast ab, und seitdem wurden regelmäßige Baumkontrollen durchgeführt.
Seit 2005 ist die Eiche prägender Teil des Gemeindewappens von Endlichhofen (Wappen Endlichhofen: Own work using: [1], Public domain, via Wikimedia Commons)
Mitte des ersten 2000er Jahrzehnts erfolgten weitere Bodenverbesserungen. 2007 entfernte man die Strohdecke wieder bis auf 5 cm Stärke, 2008 wurden eine Düngung und Bodenbelüftung durchgeführt. 2010 errichtete man einen Rastplatz vor der Eiche und installierte erstmals eine Hinweistafel zum Baum. 2015 wurde der Kronenbereich mit einem Rundholzzaun abgegrenzt und auf die Gefahr durch herabfallende Äste mit Warnschildern hingewiesen. 2017 und 2023 wurden Filme über die Eiche gedreht (u.a. vom SWR).
Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald hat die Eiche 2014 als zweitdickste Eiche von Rheinland-Pfalz ausgezeichnet, was auch heute noch zutrifft.
Mit dieser umfassenden, wenn auch stark gekürzten Aufzählung von historisch belegten Ereignissen und Maßnahmen an der Eiche dürfte sie einer der bestdokumentierten Bäume des Landes sein. Das liegt u.a. an der schon lebenslang vorhandenen Wertschätzung und Zuneigung des heutigen Ortsbürgermeisters zur Eiche und da er auch schon zuvor von 1997 bis 2009 Ortsbürgermeister war (und nun erneut seit 2024). Mein großer Dank an Herrn Ortsbürgermeister Ulrich Birkenstock für all diese umfassenden Informationen!
Der aktuelle Zustand der Eiche ist altersentsprechend nicht ohne Probleme und „Macken“, die aber auf dem heutigen baumbiologischen Kenntnisstand und mit aktuellen Sichtweisen und Methoden der Baumpflege beherrschbar sind. Der aktuell für diese Eiche seit etwa 20 Jahren zuständige sehr erfahrene und versierte Baumpfleger wird nun zusammen mit einem jungen Arboristenteam aus dem DBU-Projekt ArBoR:Net umfassende behutsame Maßnahmen an der Eiche durchführen, die ihren langfristigen Erhalt und Schutz sichern sollen.
Besonders eindrucksvoll ist diese Eiche auch durch ihre Alleinstellung in Dorfnähe, und vom Umfeld der Eiche aus ist der weite Blick in die hügelige Landschaft des „Blauen Ländchens“ (im rheinland-pfälzischen Hintertaunus) so attraktiv.
Ich bezeichne diese Eiche seit der ersten Minute unserer Bekanntschaft als ‚Caspar David Friedrich-Eiche‘, denn sie ist der Inbegriff von uralten Eichen, wie sie der berühmte Maler über alles liebte und vielfach darstellte.
Text und Fotos: Andreas Roloff, TU Dresden