Eibe in Flintbek bei Kiel

Baumart Eibe (Taxus baccata)
Standort: etwa 70 m nördlich der Kirche auf Kirchengrund (öffentlich zugänglich); Flintbek, Kreis Rendsburg-Eckernförde bei Kiel
Alter: 600-800 Jahre (geschätzt)
Stammumfang: 3,93 m (gemessen 08.2019 in 1,3 m Stammhöhe)
Höhe: 10 m (geschätzt), Kronenbreite 13 m (geschätzt)
GPS-Daten: N 54.238319, 10.067039
NEB seit: 27.10.2019

Auffallend an der Eibe sind ihre immergrünen, dunklen und oft dichten Kronen mit leuchtend roten Samen (nur an weiblichen Bäumen), ihre attraktive rötliche Schuppenborke am wulstigen, kehligen Stamm und ihre individuelle Wuchsform. Ältere Exemplare wirken daher oft monumental und sind seit Urzeiten ideale und beliebte Bäume zur Betonung von Kultstätten. Die Eibe ist die Baumart mit der größten Bedeutung in Esoterik und Mythologie. Den Kelten galt sie als heiliger Baum, den Germanen als Sinnbild für Ewigkeit. Beeindruckend ist zudem ihre enorme Schattentoleranz, so dass sie wie die Rot-Buche unter allen anderen Baumarten wachsen kann. Wildexemplare (meist in Wäldern) sind so selten, dass sie als eine von nur ganz wenigen Baumarten in Deutschland nach der Bundesartenschutzverordnung streng geschützt ist.

Die Eibe ist ein Nadelbaum, der keine Zapfen trägt, sondern leuchtend rote fleischige “Beeren”: Samen mit einem fleischigem, roten Mantel. Ihre dunkelgrünen weichen Nadeln bleiben ca. 8 Jahre am Zweig und sind besonders ausgeprägt an Sonne oder Schatten angepasst. Dies hat zur Folge, dass Sie beim Verpflanzen älterer Eiben die Himmelsrichtung der Kronenseiten einhalten sollten (mit Hilfe einer Markierung z.B. an der Nordseite), damit die Schattennadeln weiterhin nach Norden und die Sonnennadeln nach Süden orientiert sind. Sonst kann es zum Nadelsterben und im Extremfall sogar zum Absterben des Baumes kommen, dies auch bei plötzlicher Freistellung aus dem Schatten.

Die Baumart ist zweihäusig, d.h. es gibt nur männliche oder weibliche Blüten auf einem Baum und demzufolge auch nur Eiben-Männer oder -Frauen. Die roten Samen an den weiblichen Bäumen entwickeln sich daher nur, wenn eine männliche Eibe in der Nähe steht (maximal 1 km entfernt). Die Verbreitung der Samen ist wegen des leuchtend rot gefärbten Samenmantels gesichert – Amseln, Drosseln und auch Kleinsäuger fressen ihn und scheiden den holzigen Samen unverdaut und keimfähig wieder aus. Eiben in Mauerritzen müssen vorher durch einen Vogel- oder Mäusedarm “gewandert” sein, sonst könnten sie dort nicht hingelangen.

Das Holz ist harzfrei und sehr dauerhaft, sogar dauerhafter als das der Eiche, erst recht aber elastischer. Deshalb wurde es früher für den Bogenbau genutzt, vor allem England hatte einen enormen Bedarf an Bögen. Die wunderschöne Färbung und die Härte – viel härter als alle anderen unserer Nadelhölzer – verschafft dem Holz zudem Bedeutung bei Kunsttischlern und für die Herstellung von Messern und Kämmen. Im Außenbereich ist es ein gesuchtes Bauholz und kann ohne Schutz im Freien verwendet werden, unbehandelte Zaunpfosten aus Eibe halten Jahrzehnte lang. Der älteste gefundene Speer eines Neandertalers bestand aus Eibenholz.

Wie immer in der Heilkunde ist die Giftigkeit auch bei der Eibe eine Frage der Anwendung und Dosierung. Nadelextrakte bewähren sich nämlich in der Krebsbekämpfung, weshalb man sie sogar lokal in Plantagen anbaut und schneidet. Sie wird daher sogar als Heilmittel der Zukunft bezeichnet. Außerdem ist die Eibe aufgrund ihrer Schnittverträglichkeit eine sehr beliebte, langsam wachsende und dichte Heckenpflanze. Sie kann hervorragend zu interessanten Formen geschnitten werden, z.B. zu Kugeln, Kegeln und Tiersilhouetten. Ihre Schnittzweige sind ein optimales Deckreisig im Winter, da die Nadeln sehr lange am Zweig bleiben.

Die Eibe hat gute Eigenschaften zur Feinstaubbindung und für Lärmschutz, beides auch im Winter durch ihre immergrünen Nadeln. Die Baumart ist zum Baum des Jahres 1994 ernannt worden.

Text von Andreas Roloff, Tharandt (Auszug aus Buch “Der Charakter unserer Bäume” von Andreas Roloff, Ulmer Verlag Stuttgart, 2019)

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